Unterricht

Evangelische Religion

Bibel

Manchen von Ihnen ist es als „Laberfach” oder als „Kuschelunterricht” bekannt: das Fach Evangelische Religion. Angeblich reicht es, in den Diskussionen hin und wieder etwas Kluges zu sagen und die Lehrkraft bedankt sich mit einer guten Note. Dieses Bild von Religionsunterricht wollen wir an unserer Schule nicht bestätigen.
Der Bildungsaspekt steht im Vordergrund, und der Religionsunterricht ist auch kein leistungsfreier Raum. Es gibt reguläre Noten. Die Bildung im religiösen Bereich scheint uns unerlässlich, denn die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die von ihrer eigenen Religion (Christentum) nur noch eine blasse Ahnung haben, steigt. Dabei sitzen sie im regulären Unterricht mit Mitschülern zusammen, die, wie die Mehrzahl der Muslime und freien Christen, von Hause aus noch eine starke Bindung zu ihrem Glauben vermittelt bekommen und denen, die mit Religion, Glaube oder Kirche nichts mehr zu tun haben wollen.
Aufgrund dieser Tatsache stellen sich die Fragen: Ist konfessioneller Religionsunterricht noch zeitgemäß? Langt nicht nur Religionskunde im allgemeinen Ethikunterricht?
Unserer Meinung nach langt es heute nicht mehr. Allgemeine Werte können nicht weitergegeben werden wie binomische Formeln, denn Werte sind mit der Selbst- und Fremdwahrnehmung des Menschen verbunden. Jeder Mensch entscheidet sich nach seinen Erfahrungen und seinen Kenntnissen. Wer einem Glauben anhängt, urteilt anders, als jemand, der empirische Daten und sinnliche Eindrücke als die Ganzheit der Welt ansieht. Deshalb sind Werte nicht neutral zu unterrichten. Werte lassen sich nicht als „solches” beibringen.
Der Evangelische Religionsunterricht am ARG ist getragen von der Idee, dass „Religiöse Bildung” auch immer ethische Bildung ist, weil der religiöse Mensch handelt. Aber der Religionsunterricht bleibt nicht auf die Ethik und Moral begrenzt, sondern wir wollen den Schülern einen Ort geben, in dem sie alle ihre Fragen stellen können, in dem sie lernen können zwischen Reden über Religionen und religiösen Reden kritisch zu unterscheiden und auf einander zu beziehen.

Neben den allgemeinen Bestimmungen des hessischen Schulgesetz ist der Lehrplan für Evangelische Religion sowohl für G8 als auch für G9 geprägt durch 5 Lernschwerpunkte:

  • Alle Schüler müssen ihre individuellen Erfahrungen in den Unterricht einbringen können.
  • Alle Schüler müssen Grundlagen der biblisch- christlichen Tradition erlernen.
  • Alle Schüler müssen sich mit dem christlichen Leben in der Gegenwart und in der Geschichte auseinandersetzen.
  • Alle Schüler sollen eine eigene Ethik für sich entwickeln.
  • Alle Schüler müssen sich mit verschiedenen anderen Religionen und Weltdeutungen auseinandersetzen.
Kerze

Der Evangelische Religionsunterricht an unserer Schule fordert deshalb von jeden Schüler und jeder Schülerin selbständiges kritisches Denken und Mitarbeit im Unterricht ein. Am Ende soll jeder einzelne Schüler und jede Schülerin über eine breite religiöse Bildung und eine reflektierte Meinung verfügen können, damit er oder sie in der globalisierten Welt mit unterschiedlichen Kulturen und Religion bestehen kann. Wir betreiben keine christliche Mission!

Wer kann der evangelischen Religionsunterricht besuchen?
An unserem Unterricht kann jeder Schüler und jede Schülerin der Schule unabhängig von der eigenen Religionszugehörigkeit (Christentum, Islam etc.) teilnehmen. Voraussetzung ist, dass der Schüler/ die Schülerin bereit ist, religiöse und ethische Fragestellungen anzunehmen (Toleranz), zu durchdenken (Kritikfähigkeit) und für sich anzunehmen (Zukunftsperspektive).