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Zeitzeugengespräch mit Frau Simonsohn

Frau Simonsohn hat am 20.09.2016 zum fünfundzwanzigstem Mal unsere Schule besucht, um uns auf eine Zeitreise durch die NS-Zeit mitzunehmen. Sie erzählte uns von ihrem Leben und wie sie nach und nach abgelehnt wurde, nur weil sie eine Jüdin ist, wie sie von einem Gefängnis ins nächste gebracht wurde, immer in der Angst, umgebracht zu werden. Sie redete offen darüber, wie sie vor lauter Einsamkeit in Einzelhaft, ohne Mutter, da diese deportiert worden war, und ohne Vater, dessen Todesnachricht sie bald schon bekam, aber auch über ihr Glück, dass Menschen ihr da durch geholfen hatten, die sie gar nicht kannte.
Auch von Theresienstadt, ein damaliges Ghetto für Juden, die inhaftiert worden waren, wo sie ihre Mutter, ihren zukünftigen Ehemann und Freunde fand, erzählte sie, vom dortigem Judenältestenrat, den Kindern, denen sie dort etwas beibringen wollte, aber dies illegal und unter hohen Schutzmaßnahmen tun musste, da es ihr von der SS verboten worden war und wie schließlich alle jungen Ausgebildeten deportiert und schließlich getötet wurden.
Nicht stolz aber ehrlich war Frau Simonsohn, als sie davon berichtete, dass wegen ihr eine Person gestorben sei, weil ihre Mutter auf der Deportationsliste stand und sie darum gebeten hat, sie von der Liste zu nehmen. Jemand anderes wurde dafür auf die Liste gesetzt. Schließlich aber musste auch ihre Mutter ihr Leben im Gas lassen.
Von Auschwitz konnte sie wegen eines Blackouts nicht viel erzählen, nur, dass es dort schrecklich gewesen sei und sie am liebsten gestorben wäre.
Schließlich war sie aber in ein anderes Lager gebracht worden, wo sie keinen roten Lackstreifen in den Mantel einlackiert bekam, der sie als jüdische Gefangene zu erkennen gab. Durch Glück konnte sie entkommen, trampte anschließend herum und landete an der Front, wo sie die ein oder andere interessante Entdeckung machte, wie ein Mädchen, das Fotografien von allen Soldaten haben wollte.
Jedoch landete sie wieder im Gefängnis und, kurz vor ende des Krieges, auch wieder in einem KZ, wo sie sich nicht mehr alles sagen ließ und dafür fast erschossen worden wäre. Deshalb war sie auch voller Glück, als sie lebendig die Kriegszeit überstanden hatte und aus dem KZ herauskam, was sich aber bald auch in Trauer und Angst umwandelte, da sie kein Heim mehr hatte, kein Ort, wo sie hin konnte und wahrscheinlich auch keine Familie, die sie wiedersehen würde.
So ging sie zu einer Freundin, hatte dann aber wieder einige Zeit ein Blackout und dann erfuhr sie von ihrer Freundin, dass ihr Mann mit dem Bruder ihrer Freundin in Theresienstadt war, wo sie sich treffen wollte. Deshalb nahm Frau Simonsohn den nächsten Zug, musste wegen Quarantäne aber durch die Katakomben und traf schließlich ihren geschwächten Mann wieder. Zusammen versuchten sie wieder ein relativ normales Leben führen zu können.
Sie merkte auf eine Frage hin noch an, dass sie nie wirklich in Deutschland gewesen sei, sondern Deutschland nur hinter Stacheldraht gesehen hätte. Zudem fragte sie sich, warum ausgerechnet sie überlebt habe, warum so viele sterben mussten. Sie machte sich sogar schon fast Vorwürfe deshalb.
Zuletzt sagte sie noch, dass sie Deutsche nicht hasse, und sie auch gerne mal gehört hätte, dass jemand von dem Vorgehen damals wusste, dass er ein Nazi gewesen wäre, sich aber geändert hätte.
Nächstes Jahr wird Trude Simonsohn als Ehrenbürgerin in Frankfurt ausgezeichnet. An unserer Schule wird ab nächstem Jahr jedes Jahr zu ihrem Geburtstag eine kleine Feier veranstaltet, da sie eine Freundin unserer Schule ist, in der sie bis jetzt am häufigsten von früher erzählt hat. Außerdem wollen wir eine kleine Ausstellung ihr zu Ehren erstellen, die auch von Schülern aufgegriffen und ausgeschmückt werden kann.

Laura Hiller, E1