Aktuelles

Stipendien für Schüler unseres Gymnasiums

v.l.n.r.: Joshua Michael Pautzke, Alina Zimmermann, Johannes Lippert (Foto: Dirk Bittner)

Gleich drei Stipendien vergab die Stiftung „Für Kinder und Jugendliche in unserer Region” der Sparkasse Langen-Seligenstadt zum Schuljahresende an Schülerinnen und Schüler des Adolf-Reichwein-Gymnasiums. Mit dieser Stiftung sollen besondere Begabungen gefördert werden.

Für ihre besonderen schulischen Leistungen wurden Johannes Lippert und Alina Zimmermann ausgezeichnet. Beide haben ihr Abitur mit der Note 1,0 bestanden und waren über den Unterricht hinaus schulisch und außerschulisch aktiv. Johannes Lippert war führend beim Sanitätsdienst des Adolf-Reichwein-Gymnasiums tätig, spielte in der Bigband der Schule und ist langjähriger Handballschiedsrichter. Alina Zimmermann war Kurssprecherin und Mitglied der Schulkonferenz. In ihrer Freizeit arbeitete sie ehrenamtlich an der Förderschule am Goldberg. Daneben wurde Joshua Michael Pautzke für seine besondere Begabung in den Naturwissenschaften ausgezeichnet. Er erhielt ein Stipendium für die Anschaffung von Literatur zur organischen Chemie, um seine Beschäftigung mit diesem Themengebiet fachlich zu unterstützen.

Heiner Wilke-Zimmermann

Theaterabende im C-Bau

Momo - oder Gedanken zur Zeit

Am 17. Juni 2013 um 19:30 Uhr ging das Licht das este Mal aus. In der Aula des ARGs herrschte eine ernste und zugleich erwartungsvolle Stimmung. Der erste DSP- Kurs der Q2 von Frau Fillia- Diefenbach präsentierte das Theaterstück „Hass im Herzen” von H. Eiden und C. Hiestermann nach Motiven des gleichnamigen Romans von M. Steefatt. Das Stück handelt von einer Gruppe, die sich „Legion Nord” nennt und zu den Skinheads zählt und den Kontakt zu der rechten Szene in Norddeutschland und den neuen Bundesländern unterhält. Mario, ein Sechzehnjähriger, gerät in die rechtsradikale Clique, merkt jedoch, dass er die Vorstellung der Gruppe nicht vertritt und möchte mit seiner Freundin Conny austreten. Dies stellt sich jedoch als schweres Unterfangen heraus.
Die 18 Schülerinnen und Schüler meisterten mit großem Erfolg ihre erste Aufführung und wurden daraufhin mit einer Welle des Applauses und der Begeisterung belohnt. Nachdem das Stück sein Ende fand, wurde das Publikum noch zu Sekt und Kuchen eingeladen.
Rückblickend war es für alle Beteiligten ein interessanter, spannender und erfolgreicher Abend und ein großer Schritt weiterhin Darstellendes Spiel als Fach in unsere Schule zu etablieren.
Das zweite Mal ging das Licht am 02. Juli um 19:00 Uhr aus. Zunächst führte der Wahlkurs der 6. und 7. Klassen ihr selbstgeschriebenes Stück „Notendruck, Schulstress und die erste Liebe” auf. Nach den vergangen vier Wochen intensiver Proben entlud sich die Anspannung auf der Bühne und gemeinsam schuff das Ensemble einen unterhaltsamen Beitrag zum Themenabend „Zeit”. Wenn G8 auch stressig ist, so sollte doch immer noch Zeit für Freunde und Hobbies bleiben.
Nach der Sekt- und Brezelpause übernahm der E2-Kurs von Frau Müller das Geschehen auf der Bühne. Die Interpretation von Michael Endes „Momo” entstand aus den im Unterricht entwickelten kleinen Szenen. Aneinander gereiht setzten sie neue Schwerpunkte des Werkes und gaben den Schauspielern ihren eigenen Raum sich auszudrücken. Der Applaus der vollbesetzten Aula waren Lohn für all die zuvor erbrachten Mühen. Beide Gruppen erwiesen besondere Kreativität und Eigenständigkeit - zwei Eigenschaften, die auch in Zukunft weiter im Theaterunterricht gefördert werden sollen.

von Laura Kniedel und Sina Müller

Zeitzeugengespräch am ARG

Quellen, gleich welcher Art, stellen für den Historiker den Hauptgegenstand dar, um Sachverhalte zu erforschen und zu analysieren. Daher sind diese auch aus dem heutigen Geschichtsunterricht nicht mehr wegzudenken.

Wir, das Adolf-Reichwein-Gymnasium, betrachten es daher als großes Glück, mit Herrn Gerhard Herbert einen noch lebenden Zeitzeugen des Nationalsozialismus in unserer Mitte zu haben, welcher ferner als Kollege und Lehrer noch einige Stunden Latein am ARG unterrichtet.

Mit viel Herz, Offenheit und Emotionalität versucht er regelmäßig, den Schülerinnen und Schülern der neunten Jahrgangsstufe im Geschichtsunterricht in Form eines Zeitzeugengesprächs einen besonderen Zugang zu dieser Thematik zu ermöglichen und sie zu sensibilisieren.

1931 geboren, besuchte er als Sohn eines SS-Standartenführers auf dessen Wunsch ab 1941 die Nationalpolitische Erziehungsanstalt (Napola) in Bensberg bei Köln. Auf diesen Schulen sollte die zukünftige „Elite für den Führer” ausgebildet werden. Disziplin, Gehorsam und Leistungsdruck prägten den Alltag. Mit Kriegsende kehrte Herr Herbert 1945 nach Hause zurück. Dies war jedoch nicht das Ende seiner „Geschichte”, sondern erst der Anfang.

Sein Vater Willy Herbert kam nicht aus dem besetzten Polen, wo er seit 1941 als Mitglied der Waffen-SS in den Konzentrationslagern Lublin und Sobibor an der „Aktion Reinhardt” beteiligt war, zurück nach Hause nach Frankfurt und wurde für Tod erklärt, bevor er unverhofft 1955 in München wieder „auftauchte” und zunächst verhaftet wurde. Angeklagt für einen Mord aus dem Jahre 1933 wurde er 1956 – nach Aussage seines Sohnes zu Unrecht – aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Über diesen Mord und seine Beteiligung an der „Aktion Reinhardt” während des Zweiten Weltkriegs schwieg der Vater bis zu seinem Lebensende 1969.

Sein Sohn Gerhard Herbert erlernte nach Kriegende zunächst den Beruf des Bäckers, arbeitete bei der Post, studierte anschließend Lehramt und ist nun seit 1970 als Lehrer an unserer Schule tätig. Erst sehr spät war es ihm möglich, die Details und das Ausmaß der Täterschaft seines Vaters zu erforschen und offenzulegen. Von diesen Eindrücken geprägt, steht er seit dieser Zeit als Zeitzeuge zur Verfügung. Dabei berichtet er sowohl über seine Zeit auf der Napola als auch über seine Familiengeschichte. Zahlreiche Fotos und Originaldokumente sowie seine ganz eigene liebenswerte Art zu erzählen, lassen seinen Vortrag anschaulich und verständlich erscheinen. Sein Anliegen ist es dabei, die jugendliche Generation „aufzuklären und wachzuhalten, damit sich dies nicht noch einmal wiederholt”, wobei er diesbezüglich „nicht sehr optimistisch” ist.

Wir möchten uns auch an dieser Stelle recht herzlich bei Herrn Herbert für sein unermüdliches Engagement bedanken! Wer ihn selbst einmal erleben und mehr über ihn und sein „Geschichte” erfahren möchte, ist herzlich eingeladen, an einem seiner ergreifenden Gespräche teilzunehmen.

Gunnar Schumacher, Laura Kniedel